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11/07/2012

«Wer will, der kann»

Hani Ramadan, der Enkel des Begründers der Muslimbrüder, hält Mohammed Mursis Wahl zum ägyptischen Präsidenten für ein wichtiges Zeichen. Und er glaubt, der Islam könnte den Weg aus der Finanzkrise weisen.


Tagesanzeiger, 30 juin 2012

Interview: Benedikt Rüttimann

Was bedeutet die Wahl des Muslimbruders Mohammed Mursi zum ersten islamistischen Präsidenten des Landes für Ägypten?

Sie bedeutet, dass das ägyptische Volk eine wichtige Regel gelernt hat: Wer will, der kann. Es gibt noch viele Hindernisse auf dem Weg zu einer Demokratie in Ägypten. Die Auflösung des Parlaments durch die Militärs war ein klarer Verstoss gegen die demokratischen Regeln. Es ist aber auch ein Sieg für meinen Grossvater, den Gründer der Muslimbrüder, Hassan al-Banna. Er hat vor sechzig Jahren zu seinen Leuten gesagt: Die Regierung wird euch weiter verfolgen und bekämpfen, doch wenn ihr nicht aufgebt, werdet ihr eines Tages erfolgreich sein. Mursis Sieg hat eine grosse symbolische Bedeutung.

Kennen Sie Mursi persönlich?

Nein, aber ich habe mir seine Auftritte und seine Reden im Internetfernsehen der Muslimbrüder angeschaut. Er hat mich sehr beeindruckt. Er wollte nicht kandidieren. Man hat ihn regelrecht dazu gedrängt. In den Medien wurde immer behauptet, Mursi habe kein Charisma. Doch das stimmt nicht. Er ist selbstbewusst und beim Volk sehr beliebt. Er ist ein Mann, der mit dem Herzen spricht.

Früher wollten die Muslimbrüder in Ägypten einen islamischen Staat errichten. Was wollen sie heute?

Mein Grossvater forderte immer, den Volkswillen zu respektieren. Die westliche Gesellschaft hat zahlreiche Freiheiten errungen. Gleichzeitig hat sie aber aus unserer Sicht auch die normative Orientierung verloren. Ich stelle einen Verlust an spirituellen und moralischen Werten fest. Alles wird vom Materialismus bestimmt. Es zählt nur noch das Geld. Die Ägypter haben jetzt die Chance, die positiven Errungenschaften der westlichen Kultur mit den traditionellen islamischen Werten aus dem Koran und der Sunna, den Verhaltensweisen des Propheten Mohammed, zu versöhnen.

Welche Rolle soll die Scharia spielen?

Dass die Scharia eine wichtige Quelle der Gesetzgebung sein soll, steht schon lange in der ägyptischen Verfassung. Das ist für die ägyptischen Muslime nichts Neues. Die Anwendung der islamischen Gesetze widerspricht einer modernen Lebensweise nicht wirklich.

Viele Ägypter - darunter auch junge Muslimbrüder - wollen Religion und Staat trennen. Was spricht dagegen?

Die Trennung von Staat und Religion ist ein westliches Konzept. Das passt nicht in die islamische Zivilisation. Hier sind die spirituelle und die irdische Dimension untrennbar verbunden.

Die Türkei ist ein islamisches Land, in dem Religion und Staat weitgehend getrennt sind.

Jedes Land hat seine Eigenheiten. Die Türkei ist für mich kein vollkommenes Vorbild, das Land zeigt aber, dass der Islam mit den positiven Aspekten der Moderne vereinbar ist. Es ist ein interessantes Experiment. Die Türken sind sehr religiöse Muslime, und die türkische Armee, die sich lange als Hüterin des Laizismus verstand, scheint heute weniger Mühe zu haben, die islamische Identität des Landes zu akzeptieren. Die Zukunft wird zeigen, in welche Richtung sich die Türkei entwickeln wird.

Sind Demokratie und Islam überhaupt kompatibel?

Im Islam wurde der Mensch frei geschaffen. Doch die Menschen genügen sich nicht selber. Sie brauchen die göttliche Offenbarung, um sich zurechtzufinden. Der Islam respektiert den Volkswillen, aber dieser hält sich in einem islamischen Staat an die göttlichen Gesetze. Ohne höhere Norm sind die Menschen zahlreichen Auswüchsen ausgesetzt, kann der Volkswille in eine Diktatur münden, wie das Beispiel der Naziherrschaft in Deutschland zeigt.

Wie viel Demokratie wollen die Muslimbrüder in Ägypten?

Mursi hat wiederholt gesagt, er wolle eine zivile Regierung. Das bedeutet aber nicht eine Abwendung von den islamischen Werten. Viele Muslime sind überzeugt, dass der Islam auch für die übrige Menschheit ein ethischer und ökonomischer Kompass sein kann. Die islamischen Prinzipien könnten ein Ausweg aus der globalen Finanzkrise sein.

Und wie lässt sich der Islam mit den Menschenrechten versöhnen?

Die Menschenrechte sind fundamental. Sie sind zu respektieren. Doch wir Muslime glauben, dass auch die Beziehung des Menschen zu seinem Schöpfer wichtig ist. Die menschliche Vernunft braucht die göttliche Orientierung.

Was ist mit den Rechten der Minderheiten, etwa der Kopten?

Die ägyptischen Christen haben die gleichen Rechte wie alle anderen Ägypter.

Dann kann auch ein Kopte zum Präsidenten gewählt werden?

Sollte das Volk je einen Kopten zum Präsidenten wählen, dann wird Ägypten einen christlichen Präsidenten haben. Aber ich denke, ein islamischer Staat sollte einen muslimischen Präsidenten haben. Einen koptischen Präsidenten halte ich aufgrund der Mehrheitsverhältnisse für unwahrscheinlich.

Welche Rezepte haben die Muslimbrüder zur Ankurbelung der maroden Wirtschaft?

Das Land wurde bis jetzt von einer kleinen privilegierten Minderheit ausgebeutet, die sich unheimlich bereichert hat und gleichzeitig den grössten Teil der Bevölkerung verarmen liess. Wir müssen die Ressourcen neu verteilen. Es braucht eine Landreform. Ägypten könnte eine Kornkammer Afrikas werden, wenn der Boden richtig bewirtschaftet wird. Und wir sollten bei der Vermögensverwaltung die Regeln des Islam einführen. Die westliche Finanzwirtschaft hat zu einer weltweiten Verschuldung geführt. Das Kapital sollte produktive Werte schaffen und sich nicht einfach selber vermehren.

 

«Die Trennung von Staat und Religion ist ein westliches Konzept. Das passt hier nicht hin.»

Hani Ramadan

 

Der Imam (53) leitet das Islamische Zentrum in Genf. Sein Grossvater Hassan al-Banna schuf 1928 die Gemeinschaft der Muslimbrüder unter der Parole: «Der Islam ist die Lösung.»

 

© Tagesanzeiger/Bund 2012

 

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Commentaires

"Celui qui veut peut"

Hani Ramadan, petit-fils du fondateur des Frères musulmans est titulaire, Mohammed Mursi élection à la présidence de l'Egypte, un signal important. Et il croit que l'islam peut conduire le moyen de sortir de la crise financière.

Nouvelles quotidiennes, 30 juin 2012

Interview: Benoît Rüttimann

Qu'est-ce que l'élection d'un frère Mohammed Mursi musulmane premier président islamiste du pays pour l'Egypte?

Cela signifie que le peuple égyptien ont appris une règle importante: Celui qui veut peut. Il ya encore de nombreux obstacles sur la voie de la démocratie en Egypte. La dissolution du Parlement par l'armée était une violation flagrante des règles démocratiques. Il ya aussi une victoire pour mon grand-père, le fondateur des Frères musulmans, Hassan al-Banna. Il a dit qu'il avait soixante ans à son peuple: Le gouvernement va continuer à se battre et qu'on vous persécutera, mais si ce n'est pas vous abandonner, un jour vous sera couronnée de succès. Mursi a une grande victoire symbolique.

Connaissez-vous des Mursi en personne?

Non, mais je dois à ses performances et ses discours sur la télévision sur Internet des points de vue des Frères musulmans. Il m'a vraiment impressionné. Il n'a pas couru. Il a été forcé de la lettre. Les médias ont toujours prétendu Mursi ont aucun charisme. Mais ce n'est pas vrai. Il est confiant et très populaire parmi les gens. Il est un homme qui parle avec le cœur.

Plus tôt, les Frères musulmans en Egypte serait établir un Etat islamique. Qu'est-ce qu'ils veulent maintenant?

Mon grand-père a toujours demandé de respecter la volonté populaire. La société occidentale a gagné beaucoup de libertés. Dans le même temps, mais il a, à notre avis, l'orientation normative est perdu. Je constate une perte des valeurs spirituelles et morales. Tout est déterminé par le matérialisme. Il ne compte que l'argent. Les Egyptiens ont maintenant la chance, les réalisations positives de la culture occidentale avec les valeurs islamiques traditionnelles du Coran et la Sunna, les pratiques du prophète Mahomet à concilier.

Quel rôle devrait jouer la charia?

Que la charia doit être une source importante de la législation, est depuis longtemps dans la Constitution égyptienne. Ce n'est pas nouveau pour les musulmans égyptiens. L'application de la loi islamique en contradiction avec un mode de vie moderne n'a pas vraiment.

Beaucoup d'Égyptiens - y compris les jeunes frères musulmans - veulent se séparer religion et l'Etat. Pourquoi pas?

La séparation de l'Église et l'État est un concept occidental. Cela ne rentre pas dans la civilisation islamique. Ici, le spirituel et la dimension terrestre sont inséparables.

La Turquie est un pays islamique, sont largement séparées dans la religion et l'Etat.

Chaque pays a ses particularités. La Turquie n'est pas un modèle parfait pour moi, le pays montre que l'islam est compatible avec les aspects positifs de la modernité. C'est une expérience intéressante. Les Turcs sont des musulmans très religieux, et l'armée turque, qui a longtemps été considéré comme lui-même la gardienne de la laïcité, semble maintenant avoir moins de difficulté à accepter l'identité islamique du pays. L'avenir nous dira dans quelle direction va évoluer vers la Turquie.

Sont la démocratie et l'islam est compatible à tous?

Dans l'Islam, l'homme est créé libre. Mais les gens eux-mêmes ne sont pas suffisantes. Vous avez besoin de la révélation divine, de trouver votre chemin. L'Islam respecte la volonté du peuple, mais cela est maintenue dans un état islamique aux lois divines. Sans une norme plus élevée, les gens sont exposés à de nombreux abus, les gens vont conduire à une dictature, comme l'exemple de la domination nazie en Allemagne montre.

Combien de démocratie aux Frères musulmans en Egypte?

Mursi a dit à plusieurs reprises qu'il veut un gouvernement civil. Cela ne signifie pas un abandon des valeurs islamiques. Beaucoup de musulmans pensent que l'islam peut être aussi pour le reste de l'humanité est une boussole morale et économique. Les principes islamiques pourrait être un moyen de sortir de la crise financière mondiale.

Et comment pouvons-nous réconcilier l'islam avec les droits de l'homme?

Droits de l'homme sont fondamentaux. Elles doivent être respectées. Mais nous, musulmans, croyons relation que l'homme est important pour son créateur. La raison humaine a besoin de la guidance divine.

Quels sont les droits des minorités, comme les Coptes?

Les chrétiens égyptiens ont les mêmes droits que tous les autres Egyptiens.

Puis aussi un copte être élu président?

Si les gens choisissent toujours un copte en tant que président, puis l'Egypte aura un président chrétien. Mais je pense d'un Etat islamique doit avoir un président musulman. Je pense que le président en raison de la situation de majorité copte est peu probable.

Qu'est-ce recettes ont les Frères musulmans pour stimuler l'économie en difficulté?

Le pays a été exploitée jusqu'à présent par une petite minorité de privilégiés qui se sont enrichis tandis que d'appauvrissement et de sinistre a la plus grande proportion de la population a quitté. Nous devons répartir les nouvelles ressources. Il a besoin de la réforme agraire. L'Egypte pourrait devenir un grenier à blé de l'Afrique, quand le sol est bien géré. Et nous devrions mettre en œuvre la gestion d'actifs, les règles de l'islam. L'industrie financière occidentale a conduit à une dette dans le monde entier. Le capital était de créer des valeurs productives et non pas simplement se reproduire.



"La séparation de l'Église et l'État est un concept occidental. L'ajustement n'est pas ici bas. "

Hani Ramadan



L'Imam (53) dirige le Centre islamique de Genève. Son grand-père, Hassan al-Banna a créé en 1928 la communauté des Frères musulmans, sous le slogan: ". L'Islam est la solution"

Écrit par : haddou | 17/07/2012

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