1959

19/08/2013

«Ich hätte mir von der Schweiz eine schärfere Verurteilung des Massakers gewünscht»

 

 

Von Beat Kraushaar

 

Samstag, 17. August 2013 23:30

 Herr Ramadan, ihr Grossvater war der Gründer und ihr Vater ein führender Aktivist der ägyptischen Muslim-Bruderschaft. Sie haben beste Kontakte nach Ägypten. Was ist ihre Meinung zur aktuellen Situation?



Hani Ramadan: Am 14. August hat die Armee mit ihrem Putsch gegen das Volk ein in der Geschichte Ägyptens nie dagewesenes Massaker angerichtet. Das Land steht vor der Entscheidung im Chaos zu versinken oder die Demokratie mit ihrem legitim gewählten Präsidenten Mohammed Mursi wieder herzustellen.


Mursi zurück an die Macht – ist das nicht Reines Wunschdenken?

Mursi ist der legitim gewählte Präsident Ägyptens. Der Militärputsch gegen ihn ist ein verbrecherischer Akt, der einzig die erneute Errichtung einer Diktatur zum Ziel hat. Das ägyptische Volk will die Demokratie, deshalb demonstrieren sie auf der Strasse.

Mursi wird aber vorgeworfen, dass er Ägypten nicht demokratisieren, sondern zu einem muslimischen Staat machen wollte.
Mursi machte Fehler. Aber er respektierte den demokratischen Prozess. Zudem war er erst ein Jahr im Amt und man hätte ihn nach vier Jahren abwählen können, wenn man mit ihm nicht zufrieden ist. In den Medien wurde kaum darüber berichtet, dass Mursi systematisch sabotiert wurde, mit dem Ziel ihn zu stürzen.

Können Sie konkreter werden?
Man hat die Benzin, Gas und Elektrizitätsversorgung sabotiert. Damit stiftete man Unzufriedenheit, Unruhe und erschwerte die Sicherheit der Leute zu gewähren.

Wer steckt ihrer Meinung nach hinter solchen Aktivitäten?
Es ist die Achse der Amerikaner, Zionisten und dem ägyptischen Militär. Eine Demokratisierung Ägyptens, Syrien und der Palästinenser wäre gefährlich für Israel und ihre repressive Politik gegen die Araber. Auch die Petrol-Multis sind an der Destabilisierung beteiligt. Sie alle glauben eine Militärdiktatur sein die bessere und sichere Lösung als ein legitim gewählter muslimischer Präsident.

Das tönt nach Verschwörungstheorie
Sie bezeichnen das als Verschwörungstheorie? Aus welchen Gründen zahlt die USA jährlich 1,3 Milliarden Dollar an das ägyptische Militär. Und warum braucht das Land 1 Millionen Soldaten, die das eigene Volk erschiesst? Es ist doch offensichtlich, dass Israel und die USA ihre geostrategischen Interessen in der Region verteidigen. Das ist auch der Grund warum die Amerikaner, aber auch anderen westlichen Länder, nur lauwarme verbale Worte des Protestes gegen das Massaker äussern. Dieses hat nach offiziellen, nicht militärischen Quellen, bis heute rund 2‘600 Tote und gegen 10‘000 Verletzte gefordert.

Besteht jetzt die Gefahr eines Bürgerkrieges?
Im Moment ist es ein Krieg des Militärs gegen sein Volk. Die passive Haltung der USA und ihre Unterstützung der Zionisten können aber dazu führen, dass Ägypten auf einen Bürgerkrieg zusteuert. Man muss aber wissen, dass die Mehrheit des Volkes hinter Mursi und der an der Urne legitim gewählten Regierung steht. Das ist auch der Grund, warum das Volk mit seinen Protesten fortfährt.

Sie sind eingebürgerter Schweizer. Wie kann unser Land Ägypten helfen?
Als Schweizer und Muslim hätte ich mir eine schärfere Verurteilung des Massakers gewünscht. Wir sind das Land der Demokratie und der Menschenrechte. Ich erwarte von der Schweiz, dass sie die legitime Wahl von Präsident Mursi verteidigt und das Verbrechen gegen die Menschlichkeit, dass noch nicht zu Ende ist, mit klaren Worten anprangert und sich nicht auf die Seite der Putschisten stellt. Es besteht die Gefahr, dass es Ägypten sonst so ergeht wie Syrien. Dort glänzt die restliche Welt durch kollektive Abwesenheit.

Wie sehen Sie die Zukunft Ägyptens?
Ohne Rückkehr von Mursi als Präsident, gibt man dem Volk zu verstehen, dass es sinnlos ist Abstimmen zu gehen. Passt dem Militär die demokratische Wahl nicht, wird der Präsident weggeputscht. Das ist dann das Ende der Demokratie und die Jugend wird resignieren und ihren Glauben an die Demokratie in Ägypten verlieren. Deshalb ist es unabdingbar, dass man den Entscheid an der Urne respektiert und die Diktatur der Waffen verurteilt.

 

ad-hoc-news.de
Berlin: Sonntag, den 18. August 2013 - 23:12:31 Uhr

http://www.ad-hoc-news.de/hani-ramadan-der-leiter-des-isl...

 

Schweiz am Sonntag

http://www.sonntagonline.ch/


 

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